20th Century Boys






 

Würde man einen gewöhnlichen deutschen Mangaleser nach einem Kriminalmanga fragen, würde dieser zögerlich "Detektiv Conan" antworten. Leider ist dieser Krimi wohl der einzig erfolgreiche seiner Art in Deutschland und wahrscheinlich nur deshalb, weil er sehr stark für die junge Leserschaft zugeschnitten ist. Manga dieses Genres, die aber mehr für das ältere Publikum ausgerichtet sind, tun sich in Deutschland nur sehr schwer. Entweder erscheinen kaum Kriminalmanga oder sie verkaufen sich sehr schlecht. Leider musste dies auch auf Naoki Urasawas 20th Century Boys zu treffen.
Während Urasawa in Japan für die meisten seiner Manga wie MONSTER oder Pluto Auszeichnungen erhält, verkaufen sie sich hier miserabel. Trotzdem wurde das Risiko aufgenommen, den in Japan preisgekrönten Thriller 20th Century Boys in Deutschland zu veröffentlichen.

In 20th Century Boys dreht sich die Geschichte um Kenji und seine Klassenkameraden, die im Jahre 1969 Pläne schmieden, wie ein Bösewicht die Welt erobert und wie sie selbst die Erde von dem Widersacher wieder befreien. Wie man es nicht anders von kleinen Kindern erwartet, sind ihre Ideen alles andere als realistisch. So bauen sie all die Elemente ein, die sie selbst aus Manga oder dem Fernsehen kennen. Dies führt schließlich dazu, dass riesige Kampfroboter und Superwaffen zu den größten Gefahren der Menschheit werden.
Die Pläne geraten jedoch im Laufe ihrer Kindheit und Jugend in Vergessenheit... bis zum Jahre 1997. In diesem Jahr geschehen mysteriöse Dinge um den nun erwachsenen Kenji. Darunter auch der Tod seines Jugendfreundes, der Kenji vor seinem Tod ein Geheimnis anvertrauen wollte. Die Vorfälle stapeln sich und Kenji findet heraus, wie einer seiner Freunde aus dem Jahre 1969 versucht, die Kinderpläne zur Weltherrschaft tatsächlich umzusetzen.
Diese Person bleibt aber hinter einer Maske verhüllt und sein Name wird nicht verraten. Er nennt sich einfach nur "Freund" und besitzt eine große Anhängerschaft, die ihn als Propheten verehrt. Da die Ausführung solch phantastischer Pläne in die Wirklichkeit nur sehr schwer umsetzbar ist, erscheint die Verwirklichung der Ideen aus dem Jahre 1969 nur auf dem ersten Blick planmäßig ausgeführt und der "Freund" ist gezwungen auf andere Mittel zu zugreifen, wie Drogen und Gehirnwäsche, um die nötige Unterstützung und Macht zu erhalten.
Kenji und seine Freunde, die sich dafür schuldig fühlen, dass jemand ihre Pläne zu verwirklichen versucht, müssen sich nun dieser Bedrohung stellen und "Freund" aufhalten. Doch anders als damals geplant, treten sie nicht nur gegen "Freund" und seine Superwaffen an, sondern auch gegen die gewaltige Organisation hinter ihm.

Naoki Urasawas spannende Mangaserie wird über mehrere Zeitebenen erzählt, wobei das Jahr 1997 die Hauptzeitlinie darstellt. In diesem Jahr beginnen die seltsamen Ereignisse, die sich auf das Jahr 1969, Kenjis Kindheit, beziehen. Immer wieder kommt es deshalb zu Zeitsprüngen in die Vergangenheit, um die Vorfälle der Gegenwart klarer zu beleuchten. Doch es bleibt nicht nur bei diesen Zeitsprüngen: Dem Leser werden auch Einblicke in die Zukunft gewährt, die einige Fragen aufwerfen und den Spannungsbogen erhöhen. Doch trotz mehrerer Zeitsprünge bleibt die Geschichte klar verständlich und der rote Faden geht dank einer Hauptzeitlinie nicht verloren.

Urasawas typischer Erzählstil, wie man ihn aus MONSTER kennt, kommt in 20th Century Boys ebenfalls zum Einsatz. Der Mangaka entfernt sich nämlich öfters von den wichtigsten Figuren und dem Hauptplot und erzählt die Geschichten von neuen Charakteren, die zunächst augenscheinlich nichts mit der Hauptstory zu tun haben, sich jedoch dann teilweise als enorm wichtige Elemente der Serie entpuppen. Auf diese Weise kann Urasawa sehr viel Abwechslung in die Geschichte bringen, die Spannung hoch halten und den Lauf der Geschichte in unterschiedlichste Bahnen lenken.


Die Zeichnungen haben sich seit MONSTER stark verbessert. Sie sind nun um einiges detaillierter und vor allem dynamischer. Die Charaktere werden sehr realistisch dargestellt. Wer also mangatypische Kulleraugen sucht ist hier fehl am Platze. Es gelingt Urasawa ebenfalls, seine Figuren immer sehr abwechslungsreich zu entwerfen. Das hat zur Folge, dass die immense Anzahl an Personen in der Serie nie zu Verwechslungen führt.

20th Century Boys kann man jedem ans Herz legen, der spannende und intelligente Thriller liebt. Mit 22 Bänden ist 20th Century Boys zwar ziemlich lang, lässt aber nicht einen Moment in Sachen Spannung nach. Es kommt immer wieder zu überraschenden Momenten, welche die Geschichte in neue Richtungen lenken. Das Geschehen in kaum einer anderen Mangaserie lässt sich so schwer vorhersagen wie in 20th Century Boys.
20th Century Boys ist auf jeden Fall empfehlenswert und beim Erwerb dieses Manga tut Ihr nicht nur Euch selbst etwas Gutes, sondern vergrößert auch die Wahrscheinlichkeit auf das Erscheinen weiterer Manga dieser Art in Deutschland.

Nach 20th Century Boys hat Naoki Urasawa eine kurze Serie namens 21st Century Boys veröffentlicht, die sozusagen das Ende von 20th Century Boys darstellt.




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