Eine Rezension zu Ni no Kuni: Der Fluch der weissen Königin




Man kann ohne zu zögern behaupten, dass das Studio Ghibli inzwischen jedem Anime-, Manga- und Videospiel-Fan bekannt sein dürfte. LEVEL-5 Inc. dürfte durch die Professor Layton-Reihe für den Nintendo (3)DS ebenfalls einigen Leuten in Deutschland bekannt sein. Diese beiden Firmen entschieden sich zu kooperieren, wodurch Ni no Kuni: Shikkoku no Madōshi entstand.

Das Spiel / Die Story:

Wie bereits erwähnt, entstand also durch die Kooperation der beiden Firmen Ni no Kuni (was übersetzt in etwa "Das andere Land" oder "Die andere Welt" bedeutet). Das Release erfolgte bereits im Dezember 2010, jedoch nur in Japan und damals nur auf dem Nintendo DS. Es sollte fast ein Jahr dauern, bis schließlich im November 2011 eine Umsetzung für die PlayStation 3 erschien. Wer nun denkt, dass es sich dabei wirklich nur um eine 1:1-Umsetzung handelt, wird überrascht sein. Beide Versionen wurden von Grund auf neu erstellt und bieten daher anderes Artwork, logischerweise eine andere Grafik und auch eine andere Storyentwicklung (wobei die Grundgeschichte identisch ist). Es sollte noch mehr als ein weiteres Jahr dauern, bevor NAMCO BANDAI Games Europe S.A.S. das Spiel am 1. Februar 2013 in Europa veröffentlichte.
Die Geschichte dreht sich um den 13-jährigen Jungen Oliver, welcher zusammen mit seiner Mutter ein fröhliches Leben in Motorville (einer beschaulichen Stadt im amerikanischen Stil der 50er Jahre) führt. Leider ändert sich dieser Umstand sehr schnell, denn durch ein tragisches Ereignis verliert er seine geliebte Mutter. In seiner Trauer weint er in seinem Zimmer einsam vor sich hin, doch seine Tränen erwecken eine Puppe die er geschenkt bekommen hatte zum Leben. Diese erklärt ihm, dass sie eigentlich eine männliche Fee ist und stellt sich als Tröpfchen (engl. Mr. Drippy) vor, die vom bösen Zauberer Shadar verflucht wurde und daher als Puppe in dieser Welt gefangen war. Da Shadar die Welt von Mr. Drippy bedroht, bittet dieser Oliver um Hilfe, um seine Welt zu retten. Nach kurzem Zögern entschließt sich der Junge schließlich zu helfen, denn die Fee hatte ein überzeugendes Argument: Die Rettung seiner Mutter. Und so beginnt das Abenteuer von Oliver als junger Zauberer in einer ihm unbekannten Welt.

Das Gameplay / Die Umsetzung:
In der Welt von Mr. Drippy angekommen, muss sich Oliver zuerst alleine beweisen, doch bereits nach kurzer Zeit stehen ihm einige Zauber und Vertraute (engl.: familiar) zur Seite. Und darum dreht es sich nun, denn um Shadar zu besiegen, benötigt Oliver stärkere Zauber und mächtigere Vertraute. Das Kampfsystem ist zu Beginn noch einfach zu verstehen, doch sobald die "Vertrauten" im Spiel sind, wird es wesentlich komplizierter. Anstatt Oliver werden nun diese gesteuert, doch sollte man immer ein Auge auf die Energie des Hauptcharakters haben, da der Schaden am "Vertrauten" ihm abgezogen wird. Doch auch diese können nicht den ganzen Kampf bestreiten und müssen zwischendurch ausgetauscht werden, damit sie sich regenerieren können. Das richtige "Chaos" in den Kämpfen bricht jedoch erst dann aus, wenn das Team um Oliver sich vergrößert hat und mehrere Charaktere oder "Vertraute" auf dem Spielfeld sind. Diese reagieren zwar nicht immer ideal, doch kann man entweder selbst die Steuerung von ihnen übernehmen oder ihnen per Menü eine bestimmte Taktik vorgeben. Da die Gegner mit der Zeit immer stärker werden, empfiehlt es sich im fortgeschrittenen Spielverlauf, auf die Suche nach neuen Familiars zu gehen. Sobald sich das junge Mädchen Esther dem Team angeschlossen hat und eine bestimmte Fähigkeit erlernt wurde, besteht nach jedem Kampf die Möglichkeit, dass ein Gegner stehen bleibt und dieser rekrutiert werden kann. Dies ist dringend zu empfehlen, denn schon das nächste Gebiet kann stärkere Gegner bieten, die Oliver und seinen Freunden Probleme bereiten können. Neben den Kämpfen und der Geschichte kann man sich mit zahlreichen Nebenaufgaben oder Bounty Hunts beschäftigen. Während man bei letzterem immer bestimmte Gegner besiegen darf, bieten die Nebenaufgaben etwas mehr Abwechslung. "Gebrochene Herzen" müssen geheilt, bestimmte Gegnertypen gefangen, ein verlorenes Tagebuch gefunden und bestimmte Gegenstände erkämpft werden. Dabei muss auch hin und wieder Motorville besucht werden, denn manche Haupt- und Nebenaufgaben können nur gelöst werden, wenn man das Rätsel um einen bestimmten Charakter in beiden Welten knackt. Die Zeit vergeht dadurch schneller als man erwartet und so versinkt man regelrecht in der Welt von Ni no Kuni. Da die Wege im Spiel nicht kürzer werden, bereist man die Welt im späteren Spielverlauf per Schiff, einem Zauber und sogar einem Drachen.
Als Fan der fernöstlichen Kultur neigt man schnell dazu, sich die japanische Synchronisation zu Gemüte führen zu wollen. Davon ist bei Ni no Kuni: Der Fluch der weißen Königin dringend abzuraten. Der Grund dürfte viele Leute überraschen, denn die englische Synchronfassung ist grandios geworden und bietet bei den Synchronsprechern einige Überraschungen. Während Mr. Drippy seine Kommentare mit einem walisischen Akzent von sich gibt, begeistert Esther mit der britischen Mundart. Durch die Vielfalt der Charaktere wird einem in diesem Bereich sehr viel geboten. Wer der englischen Sprache mächtig ist, sollte zudem lieber englische Untertitel zu Beginn wählen, denn dadurch muss man nicht immer bei der deutschen Übersetzung (die ebenfalls gelungen ist) nachdenken. Weitere Punkte zur Umsetzung werde ich im Fazit ansprechen, da diese dafür gesorgt haben, dass ich an dem Spiel meinen Spaß hatte.

Die Kritikpunkte:
Ni no Kuni: Der Fluch der weißen Königin macht zwar sehr viel Spaß, doch auch dieses Rollenspiel hat mit ein paar Sachen zu kämpfen, die man besser hätte machen können. So abwechslungsreich das Kampfsystem auch sein mag, durch seine Möglichkeiten wirkt es manchmal hektisch und man verliert viel zu schnell den Überblick. Gerade in Kämpfen gegen die Zwischenbosse ist dies schlecht, denn diese benötigen jeder für sich eine eigene Taktik. Weiter oben erwähnte ich die Nebenaufgaben, die eigentlich die meiste Zeit im Spiel in Anspruch nehmen. Zwar bieten diese zu Beginn noch sehr viel Abwechslung, doch gerade dann sind diese Aufgaben mit sehr viel Laufarbeit verbunden. Im späteren Spielverlauf geht das zwar schneller, aber dann fehlt es an Abwechslung. Die beiden letzten Kritikpunkte sind technischer Natur und zum Teil nicht nachvollziehbar. Dank der Blu-ray-Technologie bieten die Discs der PlayStation 3 sehr viel Speicherplatz, doch wieso man nicht mehr Szenen vertont hat, wird auf ewig ein Rätsel bleiben. Wesentlich schlimmer ist dagegen die fehlende Möglichkeit, während dem Spiel die Sprache der Untertitel ändern zu können. Will man zwischen Deutsch und Englisch hin und herspringen, muss die Game Data (nicht das Savegame!) gelöscht werden.

Das Fazit:
Zum Ende des Punktes "Die Umsetzung" erwähnte ich, dass ich mich beim Fazit näher dazu äußern wollte. Ni no Kuni: Der Fluch der weißen Königin bietet von Anfang an den unvergleichlichen Stil von Studio Ghibli, der konsequent beim Charakter- und Gegnerdesign zum Einsatz kam. Das Highlight sind jedoch die Videosequenzen (man glaubt einen neuen Studio Ghibli-Film zu sehen, siehe Screenshot links) und das Design der Zwischenbosse. Während die normalen Feinde niedlich und verspielt aussehen, immerhin fungieren sie als "Vertraute", wirken die Bosse durch ihre Größe furchteinflößend und gemein. Ein weiterer Punkt der mir gefallen hat, ist der großartige Soundtrack von Joe Hisaishi. Seine Kompositionen wurden vom Tokyo Philharmonic Orchestra eingespielt und bieten daher eine einmalige Klangkulisse bei diesem Spiel. In den letzten Wochen hat man viel über Ni no Kuni: Der Fluch der weißen Königin in der westlichen Presse gelesen und meistens hat das Spiel sehr positive Kritiken bekommen. Da Prozent- und Punktwertungen inzwischen gang und gäbe sind, würde ich dieses außergewöhnliche Machwerk mit 86% oder 8 von 10 Punkten bewerten. Ni no Kuni erfindet das Rad nicht neu, ist aber eines der besseren japanischen Rollenspiele der letzten Jahre. Der Stil von Studio Ghibli ist wirklich bezaubernd, doch hat NAMCO BANDAI Games mit den beiden Tales of Xillia-Teilen grafisch bessere Spiele im Angebot. Eine höhere Wertung wäre meiner Meinung nach nur durch ein verbessertes Kampfsystem und weniger repetitive Nebenquests vertretbar gewesen.

Wir bedanken uns bei NAMCO BANDAI Games Europe S.A.S. für die Bereitstellung eines Reviewexemplars.

HINWEIS: Die Screenshots können durch einen Klick vergrößert angeschaut werden!

Screenshots und Logo Ni no Kuni: Wrath of the White Witch & ©2011 LEVEL-5 Inc. All rights reserved. Published by NAMCO BANDAI Games Europe S.A.S.

Miki