La Cipollas Besuch auf der AnimeJapan 2015




Die AnimeJapan ist eine wichtige Anime-Messe in Tokyo (angeblich ist es "die größte", was in Japan aber erfahrungsgemäß nicht zwangsweise immer so wörtlich gemeint ist) und konnte dieses Jahr 120.000 Besucher verbuchen - inkl. mir, coolerweise. Das lag zwar - und hier kommt der Disclaimer - weder an dicken journalistischen Erfahrungen, noch an routinierten Sprachkenntnissen, sondern mehr an einem Privaturlaub mit gutem Timing. Aber hey, es gibt ein paar subjektive Eindrücke und bunte Bilder für das Sakuranet. Wenn das mal nichts ist … Also los.

Das Vorspiel war eigentlich relativ chillig. Man konnte sich über die Website als Pressemensch anmelden, und abgesehen von der Sprachbarriere des vollkommen zu Recht berüchtigten "japanischen Englischs" (Vergleich: ein Bauer aus Sachsen und ein Bauer aus Bayern führen eine angeregte Unterhaltung, obwohl natürlich keiner von beiden so richtig Deutsch spricht) hat das auch ganz gut geklappt. Okay, das Sakuranet besitzt schockierenderweise keine Visitenkarten, aber wenn eine Sache die Macht der japanischen Konventionen überwinden kann, dann sind es 50% Unverständnis und 50% vorgespieltes Unverständnis der Kultur. Long story short, ich konnte die absurd lange Schlange am Eingang mit leichten Gewissensbissen ignorieren und musste keinen Eintritt zahlen. Davon abgesehen hat der Pressepass nicht viel gebracht, außer vielleicht der Garantie, dass einem so ziemlich jede Cosplayerin, die man fotografieren will, die vollste Aufmerksamkeit schenkt, was natürlich auch was hat.

Noch besser wäre es wohl gewesen, wenn die Funktionsweise dieser Messe nicht so hart an mir vorbeigeschrammt wäre. Auf den ersten Blick ist halt alles wie bei uns: Bunte Stände, Bildschirme, Aufsteller und Hostessen überall, dazu laute Musik, auch schon mal aus mehreren Quellen nebeneinander (quietschiger J-Pop trifft US-Rap trifft melodische Instrumentalmusik trifft noch mehr J-Pop). Allerdings gab es an jedem zweiten Stand Platz für eine Warteschlange … wieso auch immer. Ich hab gesehen, dass einige - Entschuldigung - Nerds mit massiven Mengen an Pins und ähnlichen Goodies rumgelaufen sind, und ich kann mir vorstellen, dass man die da gekriegt hat (Exclusives gab es wohl auch). Aber war das echt schon alles? Keinen Schimmer. Als ich dann nämlich einen Überblick hatte und mich auch mal total blind bei ufotable anstellen wollte, war schon alles zu spät. Irgendwann, eine Stunde nach Messeöffnung, hatten sich die „Gänge“ in lückenlose Menschenansammlungen verwandelt, und entgegen üblicher Klischees waren die Japaner fucking brutal, was das Schubsen, Schieben und Anrempeln mit überfüllten Anime-Taschen anging. Wer in den letzten Jahren mal am Samstag auf der Gamescom in Köln war, kann es sich ungefähr vorstellen, was da abgeht - nur halt ohne Nächstenliebe. Die Schlangen waren dementsprechend auch gleich mehrere Dutzend Meter lang, und naja, dann guckt man sich den Kram doch lieber aus einer sicheren Entfernung an, macht Cosplay-Fotos, sahnt Gratiskram ab und genießt allgemein die Erfahrung. Gab ja genug zu sehen!

Die Auswahl der Animes war erschlagend, vorsichtig ausgedrückt. Wer schon mal in Japan war, der weiß, dass Sentai-, Mecha- und ähnlicher Hardcore-Zielgruppenkram bei weitem allgegenwärtiger ist, als das hier möglich wäre (auch wenn die späten 90er vielleicht einen ganz guten Eindruck geboten haben). Dazu kommt dann noch die Kultur- und Sprachbarriere, und es wird echt schwierig, sich einen Überblick zu verschaffen. Insofern gibt es stattdessen einfach mal einen kleinen, extrem subjektiven Rundgang.

Einige Sachen aus den aktuellen Seasons haben ja auch bei uns im Anime-Forum einen gewissen Eindruck hinterlassen: Auffällig sind etwa die Hypes um Tokyo Ghoul und Fate/stay night [Unlimited Blade Works], die nicht nur dickste Fanmassen anziehen, sondern gefühlt auch an 15 verschiedenen Ständen vertreten waren, sei es mit ausgeprägten Merchandise-Myriaden, Cosplay oder Torten (ja, Torten). Durarara!! x2 scheint ein totaler Publikumsfavorit zu sein, dessen Charaktere man praktisch überall antreffen konnte, wie z.B als Kostüme, Aufsteller oder Figuren. Mich persönlich hat gefreut, dass auch Gekkan Shoujo Nozaki-kun präsent war, unter anderem durch Nozakis Zimmer als originalgetreuer Nachbau und durch ganz viele kreischende weibliche Fans. LoveLive! und The Idolm@ster gehen an mir persönlich vorbei, aber dass ich mir die verdammten Namen gemerkt habe, sagt wohl schon so einiges über die Allgegenwart des Loli-Gottes aus. Auch Free! und Prince of Tennis konnten beizeiten ganz schön aufdringlich werden … und wie heißt doch gleich dieser Radfahrer-Anime? Zu diesem gibt es ein Musical, aber ohne echte Fahrräder (das Bild unten sagt mehr als tausend Worte). Zukünftige Höhepunkte kündigen sich bei The Heroic Legend of Arslan, Code Geass: Akito the Exiled und Ghost in the Shell: Arise an, zu denen es jeweils dicke und auch sehr ansprechende Werbekampagnen gab. Selbiges gilt für Seraph of the End: Vampire Reign, scheinbar der aktuelle Liebling des riesigen Merchandise-Vertriebs Animate. Klassiker, u.a. Dragon Ball, Sailor Moon Crystal, Doraemon, Lupin III und natürlich One Piece], waren ebenfalls sehr gut mit dabei. Unter den scheinbaren Geheimtipps sah GANGSTA. recht ansprechend aus, ein Action-Ding mit – lt. Anime-Klischees - uralten Charakteren (also über 16). Vielleicht hab ich aber auch nur keine Ahnung und das ist schon voll hip und so. Eine Gesamtliste der ausgestellten Anime findet ihr hier: https://www.anime-japan.jp/en/exhibition/works.

Ich hoffe mal, der Einblick hat nicht total gelangweilt. So eine Messe ist auf jeden Fall eine wahnsinnige Erfahrung, aber selbst da haut der Kulturschock ordentlich rein. Wer etwas Ähnliches vorhat und mehr als nur die Atmosphäre aufsaugen will, sollte früh genug kommen und sich verdammt viel Zeit lassen. Oder sich eine kleinere Messe suchen, vielleicht funktioniert das auch.

Bildmaterial: (für eine größere Ansicht muss das Bild angeklickt werden)

















Text und Bilder stammen von unserem User La Cipolla.

Miki